06.03.2016 – Letztes Training

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Uff. Normalerweise tippeln meine Finger sofort los, wenn ich das Fenster zum Blog öffne. Heute ist mein Kopf ganz unsortiert, ist meine Aufgabe heute doch, den vorerst letzten Beitrag zu schreiben.

Über ein Jahr lang durfte ich mich ganz auf Jörg verlassen, was meine Fitness betrifft. Ich durfte leise meckern, wenn ein 30 kg-Sandsack vor mir lag, gefühlte 800 Burpees an einem Tag geschafft werden mussten,  die Beine nach 30 Minuten brannten und meine Nervosität überwinden, mich an die Klimmzugstange zu hängen. Ich habe ein Fitnesslevel erreicht,  das ich zu Beginn meiner Trainingszeit im Januar 2015 nicht für möglich gehalten hätte. Ich habe gelernt, der Komfortzone den Mittelfinger zu zeigen und mich über Muskelpakete (ja, so nennen wir es mal) an den Beinen gefreut. Ich habe in der Zeit so viel Freude an Sport entwickelt, dass ich im Sommer meinen ersten 10-km-Wettkampf in unter einer Stunde gelaufen bin. Irgendwann ging es nicht mehr nur ums Loswerden ungeliebter Pfunde. Irgendwann ging es einfach ums Wohlfühlen, Ob die 6 noch immer an erster Stelle auf der Waage steht – keine Ahnung. Ich habe mich schon seit Monaten nicht mehr gewogen. Die neuen Hosen passen und ich bin zufrieden. Und ich habe noch immer eine Riesenlust, weiter zu machen, noch fitter zu werden.

Natürlich wusste ich, dass das Training zeitlich begrenzt ist. Und ich habe lange (sehr lange!) im Kopf nach einem Ersatz gesucht. Im Dezember und Januar bin ich etwas eingebrochen, war frustriert, weil ich nichts gefunden habe, was mein Personal Training angemessen ersetzen könnte. Zudem mochte ich nicht mehr laufen gehen, weil ich Schiss im Dunkeln hab und bekam dann noch eine nervige, nie enden wollende Erkältung. Ich sah schon meine Muskeln schwinden und wurde ein wenig ungnädig mit mir selbst. Aber! Aber! Aber! … ich habe mich wieder gefangen und nach vielem Ausprobieren endlich etwas entdeckt, dass mich extrem fordert und mich ganz schnell wieder zurück geholt hat ins sportliche Leben. Tae Bo – das ist genau meins. Zweimal die Woche, insgesamt drei Stunden. Schlagen und treten wollte ich ja schon länger. Zwei Wettkämpfe im Sommer geben mir nun Antrieb, auch wieder laufen zu gehen. Nur für das Krafttraining habe ich noch keine Alternative gefunden. Und das, so stellte sich im Laufe des Jahres heraus, hat mir am meisten Spaß gemacht. (Nur, dass meine Blusen zum Schluss immer an den Oberarmen und im Schulterbereich spannten, fand ich sehr männlich.) Im besten Fall bekomme ich es zeitlich organisiert, noch in Jörgs Outdoorgruppe zu schlüpfen. Andernfalls werde ich Pump oder Crossfit in meinen persönlichen Trainingsplan integrieren müssen.

Gestern hatte ich nun meinen letzten Trainingstermin bei Jörg. Heute habe ich Muskelkater. Und bin ein wenig melancholisch. Aber das darf wohl erlaubt sein. Es war einfach eine tolle Zeit! Es war toll, die eigenen Grenzen zu überwinden und zu spüren, dass Sport das Leben einfach bereichert. Es war toll, sich und seinen Körper durch das Training neu zu entdecken. Es ist toll, einfach wieder gern man selbst zu sein.

Ich sage danke für diese Zeit! Danke Jörg, für die super abwechslungsreichen Trainingspläne, die Motivation, die Ernährungstipps, die Flexibilität. Und ein Riesendanke an mein kleines Netzwerk, das mir zeitlich immer den Rücken frei gehalten hat.

Und nun nicht bloß nicht aufhören. Die Pratzen sind schon bestellt…

24.01.16 – Wake the dogs

Diese Hunde, diese inneren. Diese fürchterlichen Miesepeter. Jedes Jahr im November werden sie wach und legen alles lahm, was man sich übers Jahr erarbeitet hat. Wenn dann noch physische Malessen hinzu kommen, die ein intensives Training verbieten, dann ist der Bock fett. Das ist wie „Arm ab“. Und da man sich im Dezember keinen Meter fortbewegen kann, ohne an einem bunten Teller Kekse vorbei zu müssen, haben auch die Fettpolster wieder neue Freunde gefunden. Eine muntere Clique scheint das zu sein – ein unliebsames Volk ist das. Puh, und nun muss es weiter gehen. Attacke! Zum Beispiel heute. Zum Beispiel heute trotz grauer Suppe! Die sehr wahrscheinliche Option auf Tinnitus ignorierte ich einfach und drehte die Musik auf Anschlag. Passte auch irgendwie zur Stimmung. Nach drei Kilometern erinnerte sich mein Körper endlich daran, dass er vor gar nicht allzu langer Zeit mal sehr sportlich war und funktionierte einfach. Immerhin. Langsamer als im August, aber es lief. Nun müssen die ganzen Muskeln da in meinem Körper mal wieder geärgert werden. Das nächste Krafttraining ist schon terminiert. Erst die Hunde wecken und dann verscheuchen. Am besten mit diesem Lied hier:

17.11.2015 – Bloggen geschwänzt

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Oops. Mein Blog liegt brach. Beim letzten Beitrag hatten die Bäume noch Blätter. Dabei bin ich doch immer noch so sportlich. Vor allem experimentell. Während Jörgs Urlaubszeit zum Beispiel habe ich mich beim CrossFit verausgabt. Und dann hatte ich die Idee mit dem Boxen. In meiner Vorstellung hatte ich die Handschuhe schon an, noch bevor ich dem Trainer Hallo sagen kann. Schön auf einen Boxsack einschlagen und -treten. Hätte ich gern. Stattdessen fand ich mich seilspringend und auf dem Boden liegend Sit-Ups machen. Und dann: Erstmal Technik üben. Buuh. Hätte mir ja mal einer (zum Beispiel ich selbst) sagen können, dass ich nicht gleich drauf los gelassen werde. Mal sehen, ob ich wieder hingehe. Beim Training mit Jörg macht sich meine Ausdauer jedoch schon bezahlt. Am 23. Januar hatte ich die erste Einheit – fast ein Jahr ist das her. Wie ungelenk und untrainiert ich angefangen habe… Welch Freude, wie ich mich heute fühle. Und welch Spannung, was ich wohl als nächstes ausprobiere. Mein Körper dankt es mir ganz deutlich, bin ich doch ohne nennenswerte Erkältung, Rückenschmerzen oder sonstige Wehwehchen durch das Jahr gekommen. Im Gegensatz zu den Jahren davor. „Be nice to your body and it will be nice to you.“ Schön, dass das klappt.

06.09.2015 – Bremer Frauenlauf

In der Nacht zu Sonntag hatte mich mein Traum im Griff. Ich wollte laufen und kam nicht vom Fleck. Ich wollte sprinten, aber meine Füße waren schwer wie Blei. Ich stand vor einer Gabelung, wusste nicht, welcher Weg der richtige ist – und nahm den falschen.

Ein paar Stunden später fuhr ich mit der Familie im Gepäck zum Bürgerpark: 14. Bremer Frauenlauf – mein erster Wettkampf – diesmal ohne Unwetterwarnung. Mein Ziel: Eine Zeit, die ich im Training noch nie gelaufen war: 10 km unter einer Stunde. Mir wären auch 59 Minuten und 59 Sekunden Recht gewesen. Mein Coach (in diesem Fall mein Mann, der sich gerade recht strebsam auf den Berlin Marathon vorbereitet) gab mir noch klare Instruktionen, bevor es losging. Er schien aufgeregter zu sein als ich. Ich fand mich warm gelaufen im Startbereich ein. 3 -2 -1 – piep, die Laufuhr startete. Nicht zu schnell loslaufen, nicht zu schnell loslaufen, hallte es in meinem Kopf. Es lief gut, die erste 5-Kilometer-Runde verging schnell. Ich sah die strahlenden Augen meiner Tochter, als ich das Ziel zum ersten Mal durchlief, die kleinen Hände klatschten. Ich gab noch einmal Gas. Bei Kilometer 8 wurde es zäh. Durchhalten, die Streckenposten feuerten mich an. „Das wird ne gute Zeit“, riefen sie. Hinter der Kurve war es dann in Sicht: Das Ziel. Jetzt noch einen Endspurt. GESCHAAAAAAFFT!!! Zeit: unter 56 Minuten!!! Wahnsinn.

18.08.2015 – Klimmzüge und Sandsäcke

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„Deine Muskeln sagen irgendwann: Langweilig, kenn ich doch alles schon“ – war Jörgs Antwort auf meinen Blick, als er mir die 20 kg-Kettlebell vor die Füße stellte. Angefangen haben wir mal mit 6, 8 und 12 kg. Na gut, Herausforderung angenommen – wer will schon gelangweilte Muskeln? Nachher nörgeln die noch. Gleich beim nächsten Termin wartete dann ein riesiger Sandsack an der Treppe auf die Mitnahme in den Trainingsraum. Wer den wohl tragen sollte? Überraschung: Jörg nicht! Heute also eine kleine Einheit Kreuzheben mit gesteigerter Intensität. Das Training ist anspruchsvoller geworden. Vor Klimmzügen (weiterhin unterstützt durch ein Band) bin ich auch nicht mehr sicher.

Im Erstgespräch im Januar sollte ich Jörg ein Ziel nennen, das ich erreichen wollte. Spontan fiel mir damals eine Hochzeitseinladung im August ein, vor der es mir graute. Sich schick machen und wohlfühlen war ja nicht mehr so meine Stärke. Die Hochzeit war vor einer Woche. Das Wohlfühlgesicht ist oben zu sehen. Also, Jörg: Solltest Du noch irgendwo eine schwerere Kettlebell verstecken: Her damit, ich hab keine Angst mehr.:-)

22.07.2015 – Und es geht weiter

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Zu allererst: Eine Erfolgsmeldung. Meine neue Hose trägt die erfreuliche Innenschrift „38“. Dachte ich früher darüber nach, „ZARA“ mit Drohbriefen zum Nähen größerer Kleidung zu zwingen, bin ich diesmal tatsächlich mit vollen Tüten wieder raus gegangen. Welch Freude. Der alte Gürtel (Länge 100 cm) wurde zudem gegen 85 cm eingetauscht. Einziger Wermutstropfen: Mein Körper scheint sich an die Belastung des Sports gewöhnt zu haben; die verflixte „7“ auf der Waage will einfach nicht weichen.

Dabei bin ich so fleißig. Mit Jörg mache ich an 2 Tagen die Woche Krafttraining und  „Metabolic Training“. Eine von intensiven Intervallen geprägte Trainingsmethode mit meist kurzer Pausenzeit, die die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessert. Der positive Nebeneffekt dieses hoch-intensiven Trainings gefällt mir daran am besten: Eine hohe Stoffwechselaktivität und die damit verbundene Verbrennung von Körperfett. Kombiniert mit Kraftübungen ist das die perfekte Mischung. Zusätzlich schnüre ich auch weiterhin 2-3 Mal pro Woche meine Laufschuhe. Aber das Bauchfett ist sowas von träge.

Es kann nur also nur noch die Ernährung zum Erfolg führen. Das fällt mir inzwischen viel schwerer, als am Anfang, als ich mich strikt an die Paleo-Ernährung gehalten habe. Zwar falle ich auch weiterhin abends nicht über Süßigkeiten oder Chips-Tüten her, meide tapfer Nudeln, Brot und andere Kohlenhydrat-Bomben. Hin und wieder lasse ich auch mal eine Mahlzeit ausfallen. Aber insgesamt finden sich vermutlich immer noch zu viele versteckte Kohlenhydrate auf meinem Speiseplan. Ich glaube, ich bin ein bisschen müde geworden, so strikt darauf zu achten. Jörg hingegen nicht. Der animiert mich weiterhin zum Durchhalten. Also werde ich noch einmal die Zähne zusammen beißen und alles aus dem Kühlschrank schmeißen, was meinen Bauch davon abhalten könnte, weiter zu schmilzen. Keep going!